29.09.2026

Vortrag zum 50-jährigen Jubiläum von Erich Fromms "Haben oder Sein"

Mit Erich Fromm widmen wir uns diesen Herbst zum 50. Jubiläums der Erstausgabe von „Haben oder Sein“ einem Psychoanalytiker und Philosophen, der das Hoffen auf das Menschen-Mögliche und die Sehnsucht nach einer Befreiung aus entfremdeten Verhältnissen und Zwängen in den Mittelpunkt seines Denkens stellte. Mit 19 Jahren studierte der 1900 in Frankfurt am Main geborene Erich Fromm bei Alfred Weber in Heidelberg, in den 1930er-Jahren arbeitete er unter Max Horkheimer am Frankfurter Institut für Sozialforschung, 1934 folgte schließlich die Emigration nach New York.  Mit „Die Furcht vor der Freiheit“ (1941) machte er sich in den USA einen Namen, durch „Die Kunst des Liebens“ (1956) wurde er weltbekannt. Mit seinem populären Spätwerk „Haben oder sein“ (1976) traf Fromm schließlich das Grundgefühl einer europäischen Nachkriegsgeneration, die unter einem „guten Leben“ etwas anderes als nur materiellen Wohlstand verstand. Die Auseinandersetzung mit der jüdischen Orthodoxie in Fromms Familie prägte sein Verständnis für die Suche des Selbst und des eigenen Weges in der Identitätsentwicklung. Das mehrheitliche Denken, Fühlen und Handeln, das er in den Menschen vorfand, sah er als gesellschaftlich vorgeprägt durch den Primat wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Faktoren; die Bildung eines aufs eigene Sein ausgerichteten Charakters werde Fromm zufolge durch eine Fixierung an jene Objekte und Beziehungen verhindert, die innerhalb der vorherrschenden Verhältnisse und Zwänge als erstrebenswert angesehen werden. Mit „Haben oder Sein“ zeigt der Gesellschaftsanalytiker auf, wie durch eine Orientierung am Haben existenzielle Abhängigkeiten entstehen können – dem gegenüber stellt er die Aktivierung der am Sein orientierten Wachstumskräfte und ihren Anteil am Gelingen des menschlichen Lebens und gesellschaftlichen Miteinanders. Die anhaltende Gültigkeit von „Haben oder Sein“ zeigt sich heute auch im Bereich des Digitalen, der Transformation des Selbst zum User, der abhängig ist von Zugängen zum Internet, Social-Media und den Verheißungen der Künstlichen Intelligenz. Aufgrund dieser ungebrochenen Relevanz wollen auch wir Fromms Gedanken im Lichte gegenwärtiger Probleme ins Zentrum rücken und gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Hardeck und Rainer Funk eine Plattform zur Diskussion bieten.

Jürgen Hardeck, 1958 geboren, studierte Vergleichende Religionswissenschaft, Philosophie und Sinologie in Bonn. Seit Mai 2021 ist er Staatssekretär im Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinlad-Pfalz. Er ist der 1. Vorsitzende der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft, in der er seit 1986 Mitglied ist.

Rainer Funk, 1943 geboren, lebt als Psychoanalytiker in Tübingen. Er promovierte über die Sozialpsychologie und Ethik von Erich Fromm und war sein wissenschaftlicher Mitarbeiter, als das Buch "Haben oder Sein" entstand. Funk ist Herausgeber der Erich Fromm Gesamtausgabe und verwaltet im Erich Fromm Institut in Tübingen den Nachlass und die Rechte von Erich Fromm.


Dienstag | 29. September | 18 Uhr

Eintritt frei


© Fromm Literary Estate

Datum: 29.09.2026 / 18:00 bis Offenes Ende