Deutscher Buchpreisträger Lutz Seiler liest im Ernst-Bloch-Zentrum

In der Reihe "Autoren bei Bloch" liest Lutz Seiler am Donnerstag, 9. Juni 2016, um 19 Uhr im Ernst-Bloch-Zentrum, Walz-mühlstraße 63, aus seinem preisgekrönten Roman "Kruso". Die Lesung mündet in ein Gespräch Lutz Seilers mit Dr. Anna-Katharina Gisbertz und PD Dr. Michael Ostheimer. Die Lesung findet im Rahmen des Workshops "Geschichte, Latenz, Zukunft" statt, den die Universität Mannheim und das Ernst-Bloch-Zentrum in Kooperation mit dem Schwerpunktprogramm 1688 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) "Ästhetische Eigenzeiten" und mit Unterstützung durch die Otto-Mann-Stiftung organisieren. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro.

"Kruso" schlägt einen Bogen vom Sommer 1989 bis in die Ge-genwart. Die einzigartige Recherche, die diesem Buch zugrunde liegt, folgt den Spuren jener Menschen, die bei ihrer Flucht über die Ostsee verschollen sind, und führt dabei bis nach Kopenha-gen, in die Katakomben der dänischen Staatspolizei.

Als seine Freundin verunglückt und er in ein tiefes Loch zu stür-zen droht, beschließt Edgar Bendler, nach Hiddensee zu fliehen – auf jene legendenumwobene Insel, die schon vielen Gestran-deten als Zuflucht diente. Er wird Abwäscher im Klausner, einer Kneipe hoch über dem Meer, und lernt Alexander Krusowitsch kennen – Kruso. Eine schwierige, zärtliche Freundschaft beginnt. Von Kruso, dem Meister und Inselpaten, wird Ed eingeweiht in die Rituale der Saisonarbeiter und die Gesetze ihrer Nächte. Nach und nach erschließen sich ihm die Geheimnisse der Insel und des Klausners. Als Ed schon glaubt, wieder einen Platz im Leben gefunden zu haben, erschüttert der Herbst 89 das fragile Gefüge der Inselbewohner. Am Ende steht ein Kampf auf Leben und Tod – und ein Versprechen.

Der Roman erhielt im Jahre 2014 den Uwe-Johnson-Preis sowie den Deutschen Buchpreis.

Lutz Seiler wurde 1963 in Gera/Thüringen geboren, heute lebt er in Wilhelmshorst bei Berlin und in Stockholm. Nach einer Lehre als Baufacharbeiter arbeitete er als Zimmermann und Maurer. 1990 schloss er ein Studium der Germanistik ab, seit 1997 leitet er das Literaturprogramm im Peter-Huchel-Haus.

Der am Donnerstag, 9. Juni 2016, um 13 Uhr beginnende Work-shop "Geschichte, Latenz, Zukunft" läuft bis Freitag, 10. Juni 2016, 13 Uhr. Er beschäftigt sich mit Familien- und Generatio-nenromanen, die sich seit der Jahrtausendwende im Aufschwung befinden. Im Mikrokosmos der Familie überlagern sich Autobiographie und Geschichte, die individuelle Erinnerung wird mit Empfindungen und Fakten in Form von historischen Doku-menten konfrontiert. Der Blick zurück stellt sich in den deutsch-sprachigen Generationenromanen den unausgesprochenen Seiten der Vergangenheit, setzt sich mit Schuld und Scham auseinander und das Erzählte füllt die Leerstellen mit Fragen und Wünschen. Die Zeitgeschichte wird von der nationalsozialis-tischen Diktatur über die deutsche Teilung bis zum Mauerfall und der Wiedervereinigung reflektiert.

Im Fokus des Workshops stehen Werke unter anderen von Saša Staniši?, Arno Geiger, Stephan Wackwitz, Ernst Bloch sowie Lutz Seiler.

Die Reihe "Autoren bei Bloch" bringt regelmäßig namhafte Lite-raten ins Ernst-Bloch-Zentrum, unter anderem waren bereits Michael Krüger, Juli Zeh, Robert Menasse, Rafik Schami und Ann Cotten zu Gast.