Ernst-Bloch-Preis 2015 geht an Prof. Dr. Axel Honneth

Festakt am 20. November 2015

Die Stadt Ludwigshafen am Rhein vergibt im dreijährigen Turnus den Ernst-Bloch-Preis, der zum 100. Geburtstag des welt-berühmten Philosophen im Jahre 1985 gestiftet wurde. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an den Sozialphilosophen Prof. Dr. Axel Honneth, den Ernst-Bloch-Förderpreis erhält die Schriftstellerin Ann Cotten. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 2.500 Euro.

In einem Festakt überreicht Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse am

Freitag, 20. November 2015, 17 Uhr,
Ernst-Bloch-Zentrum, Walzmühlstraße 63, Ludwigshafen


die Auszeichnungen.

Laudatorin ist die Soziologin Prof. Dr. Eva Illouz von der Hebräi-schen Universität Jerusalem. Die Preisverleihung wird musika-lisch umrahmt von Anne Monika Sommer-Bloch.

Die Auswahl der Preisträger 2015 erfolgte nach dem einstimmi-gen Votum der Jurorin und der Juroren Dr. Hanna Gekle (Psy-chologin, ehemalige Bloch-Assistentin), Markus Clauer ("Die Rheinpfalz") und Dr. Klaus Kufeld (Leiter Ernst-Bloch-Zentrum).

Die Begründung der Jury lautet: "Wie bei keinem anderen be-deutenden Philosophen der Gegenwart stehen Leben und Werk von Axel Honneth in der komplexen Tradition der Kritischen Theorie, die er für unsere heutige gesellschaftliche Wirklichkeit philosophisch neu interpretiert. Mit Rückgriff auf Hegel formuliert er eine Gesellschaftskritik, die sich an Verhältnissen entzündet, in denen die menschliche Würde durch systematisch versagte Anerkennung verletzt wird. Dafür analysiert er sowohl – sozusa-gen negativ – die Pathologien der Vernunft, wie er zugleich, positiv, den Versuch einer Gerechtigkeitstheorie wagt, die der Gesellschaftsanalyse treu bleibt: die ethische Freiheit verdankt sich demnach einer gelingenden Selbstbeziehung, deren Vo-raussetzung in der reziproken sozialen Anerkennung liegt."

Prof. Dr. Axel Honneth, geboren 1949 in Essen, ist Senior Pro-fessor für Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main und seit 2001 geschäftsführen-der Direktor des dortigen Instituts für Sozialforschung, in der Tradition Horkheimers und Adornos. Seit  2011 ist er zudem Jack C. Weinstein Professor of the Humanities an der Columbia University in New York. Nach seinem Abitur in Essen studierte er zunächst von 1969 bis 1976 Philosophie, Soziologie und Germanistik in Bonn, Bochum und an der Freien Universität Berlin. Von 1977 bis 1982 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin. Er pro-movierte 1983 bei Urs Jaeggi an der Freien Universität Berlin und war Hochschulassistent am Fachbereich Philosophie der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Von Oktober 1989 bis Juli 1990 war Honneth Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin.

1990 erfolgte die Habilitation im Fachbereich Philosophie in Frankfurt. 1991 hatte er eine C3-Professor für Philosophie an der Universität Konstanz inne, 1992 eine C4-Professor für politische Philosophie an der FU Berlin. Nach einer Theodor-Heuss-Gastprofessur an der New School for Social Research in New York von September 1995 bis April 1996 erhielt er 1996 eine C4-Professor für Sozialphilosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. 2005 hielt Honneth die Tanner Lectures on Human Values an der University of California, Berkeley.

Die Begründung der Jury für die Vergabe des Förderpreises an Ann Cotten lautet: "Ann Cotten ist eine höchstreflektierte Dichte-rin, die sich als Störfall im metaphernberuhigten Literaturbetrieb begreift und inszeniert. Ihre Prosa und ihre Lyrik überprüfen die gängigen Sprech-, Denk-, Erzähl- und Sprechweisen und über-schreiten sie gleichzeitig auf neue und bewegende Weise."

Ann Cotten, geboren 1982 in Iowa, wuchs in Wien auf. Seit 2006 lebt sie in Berlin. Sie schloss ihr Studium der Germanistik mit einer Arbeit über Listen in der Konkreten Poesie ab. Seit ihrem Debüt "Fremdwörterbuchsonette" (2007), das bei Suhrkamp erschien, erhielt sie mehrere Literaturpreise. Mit Ann Cotton wird erstmals eine Literatin mit dem Ernst-Bloch-Förderpreis ausgezeichnet.