Axel Honneth erhält Ernst-Bloch-Preis 2015 – Förderpreis geht an Ann Cotten – Festakt am 20. November 2015

Der Sozialphilosoph Prof. Dr. Axel Honneth wird in diesem Jahr mit dem Ernst-Bloch-Preis ausgezeichnet, der Ernst-Bloch-Förderpreis geht an die Schriftstellerin Ann Cotten. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 2.500 Euro.

Diese Entscheidung traf der Beirat Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen am heutigen Freitag, 12. Juni 2015, unter Vorsitz von Kulturdezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg. Vorausgegangen war ein einstimmiges Votum der Juroren Dr. Hanna Gekle (Psychologin, ehemalige Bloch-Assistentin), Markus Clauer ("Die Rheinpfalz") und Dr. Klaus Kufeld (Leiter Ernst-Bloch-Zentrum).

Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse überreicht die Preise in einem Festakt im Ernst-Bloch-Zentrum am 20. November 2015.

Hauptpreis:
Prof. Dr. Axel Honneth, geboren 1949 in Essen, ist Senior Professor für Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main und seit 2001 geschäftsführender Direktor des dortigen Instituts für Sozialforschung, in der Tradition Horkheimers und Adornos. Seit  2011 ist er zudem Jack C. Weinstein Professor of the Humanities an der Columbia University in New York. Nach seinem Abitur in Essen studierte er zunächst von 1969 bis 1976 Philosophie, Soziologie und Germanistik in Bonn, Bochum und an der Freien Universität Berlin. Von 1977 bis 1982 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin. Er promovierte 1983 bei Urs Jaeggi an der Freien Universität Berlin und war Hochschulassistent am Fachbereich Philosophie der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Von Oktober 1989 bis Juli 1990 war Honneth Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin. 1990 erfolgte die Habilitation im Fachbereich Philosophie in Frankfurt. 1991 hatte er eine C3-Professor für Philosophie an der Universität Konstanz inne, 1992 eine C4-Professor für politische Philosophie an der FU Berlin. Nach einer Theodor-Heuss-Gastprofessur an der New School for Social Research in New York von September 1995 bis April 1996 erhielt er 1996 eine C4-Professor für Sozialphilosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. 2005 hielt Honneth die Tanner Lectures on Human Values an der University of California, Berkeley.

Die Begründung der Jury lautet:
"Wie bei keinem anderen bedeutenden Philosophen der Gegenwart stehen Leben und Werk von Axel Honneth in der komplexen Tradition der Kritischen Theorie, die er für unsere heutige gesellschaftliche Wirklichkeit philosophisch neu interpretiert. Mit Rückgriff auf Hegel formuliert er eine Gesellschaftskritik, die sich an Verhältnissen entzündet, in denen die menschliche Würde durch systematisch versagte Anerkennung verletzt wird. Dafür analysiert er sowohl – sozusagen negativ – die Pathologien der Vernunft, wie er zugleich, positiv, den Versuch einer Gerechtigkeitstheorie wagt, die der Gesellschaftsanalyse treu bleibt: die ethische Freiheit verdankt sich demnach einer gelingenden Selbstbeziehung, deren Voraussetzung in der reziproken sozialen Anerkennung liegt."

Förderpreis:

Ann Cotten, geboren 1982 in Iowa, wuchs in Wien auf. Seit 2006 lebt sie in Berlin. Sie schloss ihr Studium der Germanistik mit einer Arbeit über Listen in der Konkreten Poesie ab. Zu Ihren Publikationen zählen: “Fremdwörterbuchsonette“ (edition suhrkamp, 2006), “Das Pferd“ (Sukultur, 2007), “Nach der Welt. Listen in der Konkreten Poesie“ (Klever, 2008), “Florida-Räume“ (Suhrkamp, 2010), “I, Coleoptile“ (engl., Broken Dimanche Press, 2011), “Pflock in der Landschaft“ (Schock-Edition, 2011), “Helm aus Phlox“ (mit D.Falb, H. Jackson, S. Popp, M. Rinck; Merve 2011), “Der schaudernde Fächer“ (Suhrkamp, 2013), “Hauptwerk. Softsoftporn“ (Engstler, 2013), “Rein – ja oder nein?“ (beim Drucker Slotta, Berlin 2013). Ann Cotten hat auch bei mehreren Veranstaltungen und Ausstellungen mitgewirkt, unter anderem “Rotten Kinck Schow“ (Veranstaltungsreihe mit Sabine Scho und Monika Rinck, ab 2008), Verschwörung und Verwechslung“ (Veranstaltungsreihe mit Joachim Wendel, 2008), “Kritik und Cover“ (Ausstellung/Performance, KW Berlin, 2009), “Phantasmagoria“ (Ausstellung mit Jo Vogl bei Martin Janda, Wien, 2009). Mit Ann Cotten wird erstmals eine Literatin mit dem Ernst-Bloch-Förderpreis ausgezeichnet.

Die Begründung der Jury lautet:
"Ann Cotten ist eine höchstreflektierte Dichterin, die sich als Störfall im metaphernberuhigten Literaturbetrieb begreift und inszeniert. Ihre Prosa und ihre Lyrik überprüfen die gängigen Sprech-, Denk-, Erzähl- und Sprechweisen und überschreiten sie gleichzeitig auf neue und bewegende Weise."

Zum Ernst-Bloch-Preis
Die Stadt Ludwigshafen am Rhein vergibt im dreijährigen Turnus den Ernst-Bloch-Preis, der zum 100. Geburtstag des Ludwigshafener Philosophen im Jahre 1985 gestiftet wurde. 2015 – und damit 30 Jahre nach Auslobung – wird der Ernst-Bloch-Preis zum elften Mal verliehen. Er zeichnet "herausragendes wissenschaftliches oder literarisches Schaffen mit philosophischer Grundhaltung aus, das für die Kultur in kritischer Auseinandersetzung mit der Gegenwart bedeutsam ist. Den Förderpreis erhalten junge Autorinnen und Autoren, von denen aufgrund der bisherigen Leistung weitere qualifizierte wissenschaftliche oder literarische Arbeiten zu erwarten sind", so ein Auszug aus den Richtlinien.

Bisherige Preisträger waren unter anderem Hans Mayer, Jürgen Moltmann, Pierre Bourdieu, Eric J. Hobsbawm, Navid Kermani,  Dan Diner, Carolin Emcke, Seyla Benhabib, Lisa Herzog und Avishai Margalit.