Ernst-Bloch-Preis

Der Ernst-Bloch-Preis zählt zu den herausragenden Kulturpreisen in Deutschland und Europa. Er wurde anlässlich des 100. Geburtstags Ernst Blochs im Jahre 1985 im Gedenken und zur Ehrung seines Werkes gestiftet.

Der Ernst-Bloch-Preis wird von der Stadt Ludwigshafen am Rhein im dreijährigen Turnus vergeben. Der Preis zählt neben dem Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main, dem Karl-Jaspers-Preis der Stadt Heidelberg, dem Meister-Eckhart-Preis der Stadt Köln und dem Hegel-Preis der Stadt Stuttgart zu den wenigen bedeutenden Philosophie-Preisen im deutschsprachigen und europäischen Raum.

 

Ernst-Bloch-Preis 2015

Der Sozialphilosoph Prof. Dr. Axel Honneth wurde in diesem Jahr mit dem Ernst-Bloch-Preis ausgezeichnet, der Ernst-Bloch-Förderpreis ging an die Schriftstellerin Ann Cotten. Der Preis wurde im Rahmen eines Festakts am 20. November 2015 im Ernst-Bloch-Zentrum verliehen.


Die Auswahl der Preisträger 2015 erfolgte nach dem einstimmigen Votum der Juroren Dr. Hanna Gekle (ehemalige Bloch-Assistentin), Markus Clauer („Die Zeit“, „Die Rheinpfalz“) und Dr. Klaus Kufeld (Leiter Ernst-Bloch-Zentrum).


„Wie bei keinem anderen bedeutenden Philosophen der Gegenwart stehen Leben und Werk von Axel Honneth in der komplexen Tradition der Kritischen Theorie, die er für unsere heutige gesellschaftliche Wirklichkeit philosophisch neu interpretiert“, hieß es unter anderem in der Begründung der Jury.


Die junge Schriftstellerin Ann Cotten, die sich „als Störfall im metaphernberuhigten Literaturbetrieb begreift“ (so die Begründung), hat die Jury mit ihrer Prosa und Lyrik überzeugt, die nach Jury-Urteil, „überprüfen die gängigen Denk-, Erzähl- und Sprechweisen und überschreiten sie gleichzeitig auf neue und bewegende Weise.“

Prof. Dr. Axel Honneth

Geboren 1949 in Essen, ist Axel Honneth Senior Professor für Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main und seit 2001 geschäftsführender Direktor des dortigen Instituts für Sozialforschung. Seit  2011 ist er zudem Jack C. Weinstein Professor of the Humanities an der Columbia University in New York.

Nach seinem Abitur in Essen studierte er zunächst von 1969 bis 1976 Philosophie, Soziologie und Germanistik in Bonn, Bochum und an der Freien Universität Berlin. Von 1977 bis 1982 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin. Er promovierte 1983 bei Urs Jaeggi an der Freien Universität Berlin und war Hochschulassistent am Fachbereich Philosophie der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Von Oktober 1989 bis Juli 1990 war Honneth Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin. 1990 erfolgte die Habilitation im Fachbereich Philosophie in Frankfurt. 1991 hatte er eine C3-Professor für Philosophie an der Universität Konstanz inne, 1992 eine C4-Professor für politische Philosophie an der FU Berlin. Nach einer Theodor-Heuss-Gastprofessur an der New School for Social Research in New York von September 1995 bis April 1996 erhielt er 1996 eine C4-Professor für Sozialphilosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. 2005 hielt Honneth die Tanner Lectures on Human Values an der University of California, Berkeley.

Am 20. November 2015 erhielt Professor Dr. Axel Honneth den Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen am Rhein.

Publikationen von Prof. Dr. Honneth (Auswahl)


- Kritik der Macht. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1988.
- Kampf um Anerkennung. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1992.
- Desintegration. Bruchstücke einer soziologischen Zeitdiagnose. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1994.
- Leiden an Unbestimmtheit. Eine Reaktualisierung der Hegelschen Rechtsphilosophie. Stuttgart: Reclam, 2001.
- Verdinglichung. Eine anerkennungstheoretische Studie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2005.
- Pathologien der Vernunft. Geschichte und Gegenwart der Kritischen Theorie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2007.
- Das Recht der Freiheit. Grundriß einer demokratischen Sittlichkeit. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2011.
- Vivisektionen eines Zeitalters. Berlin: Suhrkamp 2014.
- Verdinglichung. Eine anerkennungstheoretische Studie. Berlin: Suhrkamp, 2015.
- Die Idee des Sozialismus - Versuch einer Aktualisierung. Berlin: Suhrkamp, 2015.

Begründung der Jury:

Wie bei keinem anderen bedeutenden Philosophen der Gegenwart stehen Leben und Werk von Axel Honneth in der komplexen Tradition der Kritischen Theorie, die er für unsere heutige gesellschaftliche Wirklichkeit philosophisch neu interpretiert. Mit Rückgriff auf Hegel formuliert er eine Gesellschaftskritik, die sich an Verhältnissen entzündet, in denen die menschliche Würde durch systematisch versagte Anerkennung verletzt wird. Dafür analysiert er sowohl – sozusagen negativ – die Pathologien der Vernunft, wie er zugleich, positiv, den Versuch einer Gerechtigkeitstheorie wagt, die der Gesellschaftsanalyse treu bleibt: die ethische Freiheit verdankt sich demnach einer gelingenden Selbstbeziehung, deren Voraussetzung in der reziproken sozialen Anerkennung liegt.

Ann Cotten

Geboren 1982 in Ames, Iowa, USA, lebt Ann Cotten seit 1986 in Wien und später Berlin. Germanistikstudium, Abschluss mit Arbeit über Konkrete Poesie (Nach der Welt, Klever 2008). Drittel der Rotten Kinck Schow.

Am 20. November 2015 erhielt Ann Cotten den Ernst-Bloch-Förderpreis der Stadt Ludwigshafen am Rhein.

Publikationen von Ann Cotten (Auswahl)

Jüngste Publikationen: Helm Aus Phlox (mit Rinck, Popp, Jackson, Falb, Merve, 2011), Hauptwerk (Engstler, 2013), Der schaudernde Fächer (Suhrkamp 2013), Rein – ja oder nein? (Slotta, Berlin 2013), Lather in Heaven (englisch, Broken Dimanche Press 2015) und Verbannt! (Suhrkamp 2016).

Begründung der Jury:


Ann Cotten ist eine höchstreflektierte Dichterin, die sich als Störfall im metaphernberuhigten Literaturbetrieb begreift und inszeniert. Ihre Prosa und ihre Lyrik überprüfen die gängigen Sprech-, Denk-, Erzähl- und Sprechweisen und überschreiten sie gleichzeitig auf neue und bewegende Weise.