In Ergänzung zur Dauerausstellung präsentiert das Ernst-Bloch-Zentrum regelmäßig Wechselausstellungen, in denen mit ästhetischen Mitteln der Blick in eine gute Zukunft geworfen wird.

Engel der Geschichte

1921 erwarb der Philosoph Walter Benjamin (1892-1940) das wohl bekannteste Bild aus der Serie der „Engel“ von Paul Klee, den „Angelus Novus“, entstanden 1920. Dieses Bild wird den Philosophen bis zu seinem Tod im französischen Exil 1940 begleiten. Benjamin betrachtete dieses Bild immer wieder anders und neu, es ist Ausgangspunkt für ganz unterschiedliche philosophische Denkfiguren. 1940 widmet er diesem Bild einen seiner bekanntesten Texte, die neunte These aus „Über den Begriff der Geschichte“: „Es gibt ein Bild von Paul Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen...“.

 HAP Grieshaber (1909-1981), Grafiker und Holzschneider, einer der bedeutenden und politisch engagierten Künstler des 20. Jahrhunderts, nahm 1964 Benjamins Denkbild des „Engel der Geschichte“ wieder auf und begründete eine Grafikedition mit dem gleichnamigen Titel. Bis 1983 erschienen 25 großformatige Grafikmappen und Künstlerbücher, in deren Einleitung immer Benjamins These zum „Engel der Geschichte“ abgedruckt wurde.

Mit diesen Grafikmappen wollte Grieshaber einen interdisziplinären, gesellschaftspolitischen Dialog zu aktuellen Fragen der Zeit herstellen. Die Themen reichten von der Bildungspolitik, der Ökologie, der Psychiatrie, der Diktatur in Griechenland, der Studentenbewegung von 1968 bis zur persönlichen Hommage an Ernst Bloch zu dessen 85. Geburtstag.

Befreundete Künstlerinnen und Künstler wie Horst Antes, Water Stöhrer und K.H.Sonderborg und Autorinnen und Autoren wie Heinrich Böll, Rose Ausländer oder Volker Braun steuerten mit vielen anderen Bilder und Texte zu den einzelnen Mappen bei, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen.

 

Damit verbindet sich die Frage nach der Aktualität des Benjamin’schen Textes und der Bedeutung des „Engels der Geschichte“ für unsere heutige Kultur, in der Engel mehr denn je Konjunktur haben.

 

Programm:

•Vernissage
Einführung Josef Walch
Donnerstag, 16. November 2017 | 19.00 Uhr
Am UNESCO-Welttag der Philosophie
Eintritt frei

• Vortrag
Dr. Thomas Schröder (Mainz): Das angenommene Erbe. Walter
Benjamins und Ernst Blochs Enden der Geschichte(n)
Dienstag, 21. November 2017 | 19.00 Uhr
Eintritt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro
• Davor: Kuratorenführung I, 21. November, 18 Uhr

• Kuratorenführung II vor der Veranstaltung Autoren bei Bloch: Dietmar Dath liest
7. Dezember 2017, Beginn 18 Uhr (Lesung beginnt um 19 Uhr)

• Film
Der Himmel über Berlin (Wim Wenders, 1987), mit Einführung in den Film: Josef Walch
Dienstag, 12. Dezember 2017 | 19.00 Uhr
Eintritt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro

• Vorweihnachtliche Engelsführung
Durch den Kurator Josef Walch: Engel der Geschichte, Geschichte der Engel
Dienstag, 19. Dezember 2017 | 18.00 Uhr | Eintritt frei